Die Vor-Computer-Zeit

Meine Kindheit und frühe Jugend verlief recht gewöhnlich. Ich war begeisterter Lego-Ingenieur und etwas später parallel dazu durch Sponsoring meines Großvaters ebenso begeisterter Märklin-Modellbahner.

Mit 13 Jahren meinte ich, von meinen bisherigen Leidenschaften Abschied nehmen zu müssen, um den Schritt vom Kind zum Jugendlichen zu vollziehen. Lego und Märklin verbannte ich von einem Tag auf den anderen. Dieser Schritt war vielleicht etwas abrupt, denn es folgten fast zwei Jahre der Irritation, und ich drohte ein gelangweilter Jugendlicher zu werden.

Der Beginn

ZX81
Die Frage meiner Mutter nach meinem Wunsch zu meinem 15. Geburtstag 1983 brachte die Wendung, die mich bis heute maßgeblich beeinflussen sollte. In einem Spiegel- oder Stern-Heft war mir einige Wochen zuvor eine Werbung für einen preisgünstigen Homecomputer aufgefallen. Es handelte sich um den Sinclair ZX81, der damals zum Preis von 149,- DM bei VOBIS erhältlich war.
Auf diesem bescheidenen Computer plus einem alten s/w-Fernseher und meinem damaligen Kassettenrecorder als Speichermedium lernte ich schnell, erste Programme in BASIC zu schreiben.
Hobby Computer 11/1983 Cover
Weiterhin begann ich, die damaligen Homecomputer-Magazine aufmerksam zu lesen, tippte Listings ein und lernte aus den Programmzeilen der Autoren. Meine Aufenthalte außerhalb meines Zimmers begannen sich auf Besuche der Computer-Abteilungen in den großen Kaufhäusern zu reduzieren, um dort Gleichgesinnte zu treffen und erste Versuche auf den anderen Homecomputern der damaligen Zeit zu machen. Ich wurde zu einem Computer-Kid.

Der mit nur 1 KB Speicher ausgestattete ZX81 wurde mir schnell zu klein. Die noch angeschaffte RAM-Erweiterung auf 16 KB funktionierte leider nur unzuverlässig. Meine Gedanken kreisten nur noch um die Frage, ob der nächste Schritt ein Wechsel auf den Commodore VC20, den ZX81-Nachfolger Sinclair Spectrum oder auf den „großen“ Commodore C64 sein sollte.

C64
Ende 1983 bekam ich einen Commodore 64. Ich programmierte darauf die Sachen in BASIC, die auf dem ZX81 nicht möglich waren. Es folgten weitere Schritte in 6502-Assembler.

Das globale Dorf

s21d Akkustikkopller
Ebenfalls 1983 kam der Film Wargames (USA 1983) in die deutschen Kinos. Von Computer-Hackern hatte ich schon gelesen und gehört, aber in diesem Film sah ich erstmals, wie Datenübertragung mit einem Akustikkoppler funktioniert.
Ich fing an, alles über Akustikkoppler, Mailboxen und Datex-P zu lesen. Bald wurde mein Bedürfnis nach einem Akustikkoppler unerträglich. Ende 1984 wurden Akustikkoppler in Deutschland erschwinglich. Ich kaufte ein Dataphon s21d und die serielle Extension für den Userport des C64.
Chaosknoten
Kurze Zeit später trat ich dem Kreis der damaligen hannoverschen Leitstelle 511 des Hamburger Chaos Computer Clubs (CCC) bei. In dieser Zeit lernte ich neben der praktischen Erfahrung des "globalen Dorfs" und Systemen wie RSX11, VMS, UNIX, TOPS-10 auch interessante und sehr individualistische Leute kennen.
Über den Freewareservice der Bayerischen Hackerpost (B.H.P.) wurden damals auch zwei C-64-Programme von mir verfügbar gemacht: Data Hacker 64, ein Password-Tester auf Chat-Script-Basis (B.H.P. 6, Ende 1985), und ein X.25-NUA-Scanner (1986).
In der Hauptzeit des deutschen Hackertums bis ca. 1987 haben mich aber auch die persönlichen Kontakte sehr geprägt und einige Freundschaften von damals existieren auch heute noch.
23
Eine in dieser Zeit gewachsene besondere Freundschaft mit Karl Koch nahm 1989 ein plötzliches Ende, als Karl sich am 23.05.89 vermutlich selbst umbrachte. Seine Geschichte als einer der sogenannten "KGB-Hacker" wurde 1997/98 verfilmt und lief sehr erfolgreich unter dem Titel "23" in den deutschen Kinos. Für Interessierte habe ich ein paar Informationen über Karl Koch bereitgestellt.

Kommerz

Anfang 1987 wurde der treue C64 durch ein CP/M-System der Fa. Schneider abgelöst. Nach einigen Veröffentlichungen von BASIC-Programmen im DMV-Verlag und der Beschäftigung mit dBase II und 8080-Assembler war klar, dass der nächste Rechner ein IBM-PC-kompatibles System sein musste. Ein Freund hatte mir zuvor für einige Wochen seine DEC Rainbow 100A, ein nicht ganz IBM-PC kompatibles System von Digital Equipment Corp., geliehen, wodurch ich Gelegenheit hatte, mich mit MS-DOS 2, dBase III+ und Turbo Pascal vertraut zu machen.

Im März 1988 begann ich auf einem kurz zuvor erstandenen PC/AT (Intel/286, 1 MB RAM, Hercules Grafik, 20 MB Hd) erste kommerzielle Programmierarbeiten für ein EDV-Unternehmen in Hannover in dBase III+, Clipper '86 und S'87. Insbesondere die sehr guten Projektplanungen und positiven Erfahrungen in der Teamentwicklung haben mich sehr positiv beeinflusst. Im gleichen Jahr meldete ich mein noch heute ausgeübtes Gewerbe für Software-Entwicklung an. Seit dem habe ich durch regelmäßige Projektarbeiten viel Erfahrung in den unterschiedlichsten Anwendungsbereichen der EDV gesammelt.

Unix

Ende 1988 installierte ich ein Xenix/286 auf meinem AT und begann mein privates UNIX-Intensivstudium. Einige wenige andere Leute in Hannover, allen voran Gerald Schlüter mit seinem Public Access UNIX veeble, waren wie ich zeitgleich mit ihrem UNIX-Studium beschäftigt und es dauerte nicht lange, bis man sich zusammenfand, gemeinsam lernte und Themen wie C unter UNIX, curses, uucp, bnews, die UseNet-maps, smail, cnews, emacs, X-Window (damals X11R3) usw. erforschte.
Schon Anfang 1989 hatte meine kleine Maschine durch die Gemeinschaftsarbeit in diesem Kreis E-Mail und UseNet-Anschluß über uucp im SubNet-Verbund (mit meinem damaligen 1200 bps „Lightspeed“-Modem). Aus diesem alten hannoverschen Kreis ist später der HanNet e.V. entstanden. Noch heute hat mein Home-UNIX eine .han.de-Domain.

Ebenfalls auf dem Xenix/286 lernte ich erstmalig PROGRESS 4GL & RDBMS kennen. Anfang der 90'er habe ich dann mehrere Jahre intensiv mit diesem Entwicklungssystem in kommerziellen Projekten gearbeitet.

Linux Logo
Meine UNIX-Leidenschaft hat sich dann über 386/ix 1.0.6 (Interactive Unix, damals noch von Kodak) bis zur Version Interactive Unix 3.0 (dann schon von SUN), über SunOS 4.1.1 und Linux 1.2.13 bis Linux 2.4.x zu Mac OS X fortgesetzt. Viele Jahre lang hat mir mein Home-UNIX Usenet-News und E-Mail per uucp (wenn auch ab Mitte der 90'er über ISDN und ab 2001 über Internet/DSL) auf die lokale Platte transportiert. Mittlerweile ist store- und forward natürlich out und direktes IP der Standard.

1998 bis heute

OpenVMS
Die Bekanntschaft mit VMS aus Mitte der 80'er Jahre (zu Zeiten von Version 4.x) habe ich wieder reaktiviert. 1998 - 2002 gehört eine VAXstation 3100 mit OpenVMS zu meiner Hardware-Sammlung. Seit 2002 steht eine kleine AlphaStation unter OpenVMS 7.2 unter meinem Schreibtisch und entführt mich ab und zu in die Welt von VMS. Meistens nutze ich aber seit ca. 2003 den VAX-Emulator simh unter UNIX, wenn ich etwas Zeit zum Spielen mit VMS habe.

Unerwähnt bleiben darf natürlich auch die Windows-Welt nicht: Ja, auch damit habe ich mich beschäftigt. Kommerzielle Windows-Entwicklung in C++ und den MFC, C und Visual Basic war von 1995 bis 1998 mein primäres Betätigungsfeld.

Java Logo
Java erregte 1997 meine Aufmerksamkeit. Die Arbeit in einer von Grund auf neu und sauber konzipierten OO-Umgebung und der Multi-Plattform-Ansatz haben mich sehr begeistert. Von Februar 1998 bis Januar 1999 war ich in einem ersten großen kommerziellen Java-Entwicklungsprojekt tätig. Seit dieser Zeit hat mich Java nicht mehr losgelassen, und bis auf eine ca. dreimonatige Rückkehr in das Microsoft C++-Land haben mich seitdem verschiedene Java-Projekte bis heute konstant mit sehr interessanter Arbeit beschäftigt gehalten.

Pasted Graphic 2
Im Jahr 2006 habe ich meinen ersten Mac-Computer gekauft und mich schnell mit dem Mac UNIX angefreundet. Auch der VAX-Emulator läuft auf dem Mac bestens. Java-Entwicklung geht auf dem Mac ebenfalls ganz wunderbar. Nach dieser positiven Erfahrung habe ich noch ein MacBook Air angeschafft und bin mit diesem Gerät als täglich benutzte mobile Entwicklungsstation top-zufrieden. Als 2008 das iPhone 3G nach Deutschland kam, habe ich sofort zugeschlagen und mich parallel zur täglichen Java-Entwicklungsarbeit in Objective-C und UIKit gestürzt, um Apps für das iPhone zu programmieren.

Rückblickend betrachtet stelle ich fest, dass sich in den letzten 25 Jahres ganz schön viel im IT-Bereich getan hat und ich auch eine ganze Menge davon begleitet habe. Meine Begeisterung für das Thema ist ungebrochen.